Ein Kämpfer auf und abseits der Matte

Manfred Schmidt ist fast 50 Jahre Mitglied. Der 62-Jährige richtet ein paar persönliche Worte an den Verein.

Ein Kämpfer auf und abseits der Matte

25. April
Aus der tiefen Verbundenheit zu seinem Sportverein macht Manfred Schmidt keinen Hehl: „Auch nach 50 Jahren Mitgliedschaft brennt in mir die gleiche Leidenschaft für den TSV Glinde wie am ersten Tag. Darauf bin ich sehr stolz“, sagt das 62 Jahre alte Gründungsmitglied der Karateabteilung. Aus diesem Grund wartete Schmidt auch nicht die bei derartigen Anlässen übliche Ehrung von Vereinsseite ab, sondern brachte selbst eine paar emotionale Worte des Dankes zu Papier (den genauen Wortlaut findet Ihr weiter unten auf der Seite).

Die im Jahr 1976 gegründete Karate-Abteilung erlebte Ende der 1970ger-Jahre ihre Blütezeit. Neben einigen Hamburger Meistern und norddeutschen Titelträgern brachte die Abteilung auch den einen oder anderen Deutsche Meister hervor. Ende der 70ger-Jahre waren Glindes Karateka Gastgeber der Deutschen Meisterschaften.

Fest steht: Der asiatische Kampfsport – erst Karate, dann Jiu Jitsu – formte Schmidt zum einem Kämpfer, auch abseits der Matte. Vor gut einem Jahr erhielt das Glinder Urgestein aus heiterem Himmel die ernüchternde Diagnose „Leberkrebs“. Der planmäßigen Operation folgten Komplikationen und vier weitere Eingriffe. Aufgeben war jedoch für den 62-Jährigen zu keinem Zeitpunkt eine Option. „Letztendlich habe ich auch diesen Kampf gewonnen, die dafür nötige mentale Stärke verdanke ich sicherlich auch dem Vereinssport“, sagt Schmidt mit einem Lächeln. Nachdenklich fügt er hinzu: „Was mir zurzeit Sorgen bereitet ist die Tatsache, dass nicht wenige Mitglieder, die vor Beginn der Pandemie leidenschaftlich gern Sport getrieben haben, ihrem Verein wegen ein paar Euro im Monat den Rücken kehren. Solange es sich nicht um eine finanzielle Notsituation handelt, fehlt mir dafür jegliches Verständnis“

Anfang März wollte Schmidt eigentlich eine Gruppe übernehmen. Corona machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Er sagt: „Mit geht es gut, ich bin motiviert und brenne darauf, endlich wieder auf der Matte zu stehen.“



Die Danksagung an die Vereinsführung im Wortlaut

Seit fast 50 Jahre bin ich Mitglied im TSV Glinde. Tischtennis, Handball, Karate und Jiu Jitsu sind meine Stationen gewesen. Normalerweise bekommt man nach 50 Jahren eine Ehrung vom Verein. Diesmal bekommt der Verein aber eine Danksagung von mir.

Ich kann mir die Zeit ohne dem Sportverein nicht vorstellen. Ich war immer glücklich und zufrieden, wenn ich in Sachen für den Sport unterwegs sein durfte. Training, Punktspiele, Turniere, Wettkämpfe, Lehrgänge und Fortbildungen haben meine Jugend und mein weiteres Leben geprägt. Mir wurde dabei schon früh Verantwortung als Jugendtrainer, Gruppenleiter, Vorstandsmitglied, Spartenmitverantwortlicher und Trainer übertragen. Es gab gute und schlechte Zeiten, z. B. Hotelbau, Beitragserhöhungen oder Vereinsumlagen. Bei solchen Dingen gab es immer viele Austritte. Gerade jetzt durch CORONA. Gerade jetzt ist es wichtig, das die Mitglieder dem TSV oder aber auch anderen Vereinen die Treue halten. Obwohl ich in den letzten 3 Jahren wegen einer Trainingszeitenveränderung, später wegen einer Krebserkrankung nur sporadisch am Trainingsbetrieb teilnehmen konnte, hat mich der Glaube an den Sport , die Sportgemeinschaft, mein TSV Glinde und auch mein 2. Verein, der ESV Escheburg , die Kraft für den Kampf gegen den Krebs gegeben. Bei diesen Zeilen habe ich Pippi in den Augen bekommen.

Herzlichen Dank an den TSV, ESV und auch an alle anderen Vereine, die für alle eine Bereicherung sind. Ein Leben in der Gemeinschaft ist ohne Verein für mich nicht vorstellbar.

Bitte haltet dem Verein die Treue.

Manfred Schmidt

Jiu Jitsu